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120 Jahre TKV Oberforstbach

 

Im Jahre 1896 gründeten die tatkräftigen Herren Heinrich Neuner, Josef Vossen, Wilhelm Fahbüchel, Paul Barth, Karl Kessel, Hermann Hansen sowie Jakob Hansen den heutigen "TKV Oberforstbach"

Als erstes Gerät wurde unter großen Anstrengungen und mit viel Mühe ein Turnreck beschafft. Von den Behörden und der Bevölkerung wurden die Turner anfangs nicht anerkannt. So legte man die Übungsstunden notgedrungen in den Augustinerwald, wo das Gerät anschließend wieder unter Laub und Reisig versteckt werden musste. Durch emsigen Fleiß und trotziges Festhalten an der guten Sache, kam der Turnverein in den Jahren 1896 - 1914 zur vollen Blüte und zählte bereits 40 Aktive.

Der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 riss jedoch eine große schmerzliche Lücke. 18 Junge Sportler sahen ihre Heimat leider nicht wieder. Nach der Rückkehr der überlebenden Turner wurde der Sportbetrieb wieder aufgenommen. Die gesellschaftspolitischen Veränderungen der Zeit fanden auch im Sport ihren Niederschlag. Unter Führung von Alex Vaessen, Wilhelm Becker, Arnold Hermann und Franz Decker festigte sich der Verein jedoch. Der Turnverein wuchs auf ca. 130 Mitglieder an und war überall ein gern gesehener Gast. So konnte der Verein bereits 1920 wieder an einem Turnfest in Richterich teilnehmen. Immer wieder trat man  bei Turnveranstaltungen auf und so mancher Ehrenpreis konnte dabei nach Oberforstbach geholt werden.

1928 wurde eine sechs Mann starke Gymnastikgruppe Verbandsmeister und konnte diesen Titel über mehrere Jahre verteidigen. Als einfachstes Gerät dienten Stühle, um akrobatische Übungen vorzuführen. In dieser Zeit war auf den Turnfesten der Pyramidenbau stets die größte Attraktion. Auch in dieser Disziplin war der Turnverein stets bei den Siegern zu finden. Durch die politische Umstellung bedingt trat der Verein 1933 dem Deutschen Athletenbund bei.

Die regionalen Erfolge des Vereins dehnten sich nun auch auf überregionaler und sogar nationaler Ebene aus. So konnten die Jugendringer Theo Haupts und Heinrich Herbertz 1937 an der Deutschen Meisterschaft in Dresden teilnehmen.

Die Jahre 1939 bis 1945 bleiben für den Verein in trauriger Erinnerung, denn 31 Kameraden fielen im zweiten Weltkrieg. Der Neubau des Vereins vollzog sich danach zunächst sehr langsam, da sämtliche Sportgeräte abhanden gekommen oder zerstört waren. Wilhelm Schlütz übernahm nun die Leitung des Vereins und führte diesen als Vorsitzender zu bemerkenswerten Erfolgen im internationalen Turnverband.

Im Jahre 1950 übernahm Franz Keuchen den Vorsitz des Vereins. Unter gleichzeitiger Namensänderung in Turn- und Kraftsportverein Oberforstbach trat der Verein dem Schwerathleten-Verband Nordrhein-Westfalen bei. In den nun folgenden Jahren wurde die erste Ringermannschaft unter Leitung des Trainers Theo Haupts mehrmals Kreis-, Bezirks- und Landesmeister und zählte im Land Nordrhein-Westfalen zu den Spitzenmannschaften.

Die Ringer Paul Sous, Bernhard Dunke und Helmut Dunke wurden in ihren Gewichtsklassen mehrmals Landesmeister und konnten somit an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen.

Theo Haupts war es auch, der 1946 eine Kunstkraftsportgruppe gründete, die sehr bald bekannt und von 1957 bis 1970 achtmal Landesmeister wurde und bei den Deutschen Meisterschaften dritte und vierte Plätze belegte.

Nicht nur im Sport sondern auch bei der Mitwirkung dörflicher Veranstaltungen, z.B. 1960 bei der Grundsteinlegung der Kirche, war der TKV immer in Aktion. Hatte man im Verein bis dato die Übungsstunden auf dem Saal der Gaststätte abhalten müssen, so konnte jetzt die neue Turnhalle eingeweiht und bezogen werden.

Zwischen 1960 und 1970 wurde der TKV unter der Führung des erfolgreichen Trainers Theo Haupts mehrfach Meister und stieg in die Oberliga auf; damals die zweithöchste Ringerklasse in Deutschland. Viele der einzelnen Aktiven konnten darüber hinaus auch große Erfolge bei Einzelmeisterschaften bis hin zur Deutschen Meisterschaft und Nominierungen in die Nationalmannschaft erringen.

1970 wurde von Verbandsseite zwischen 1.Bundesliga und der Oberliga zusätzlich eine Regionalliga (2.Bundesliga) eingeführt, für die der TKV Oberforstbach qualifiziert war. Durch die Abwanderung einiger Sportler in andere Vereine und auf Grund finanzieller Erwägungen musste der Vorstand von einem Verbleib in der höchsten Amateurklasse absehen. Der Neuaufbau in der Oberliga brachte aber gleich wieder den gewünschten Erfolg.

20 Jahre nach Gründung der Kunstkraftsportgruppe kam 1976 der wohl größte Erfolg nach Oberforstbach. Günther Faier holte drei Weltmeistertitel nach Oberforstbach. Franz Keuchen und der hervorragende Geschäftsführer Hubert Neuner prägten in dieser Zeit durch ihre gute Vorstandsarbeit das Vereinsleben über viele Jahre.

1977 stellte der damals 75 jährige Franz Keuchen, der den Turn- und Kraftsportverein Oberforstbach 27 Jahre als Vorsitzender geführt hatte, sein Amt zur Verfügung und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nachfolger wurde Albert Lennertz, der dieses Amt bis auf eine zweijährige Unterbrechung, in der Ewald Scheen den Vorsitz innehatte, bis 2006 höchst erfolgreich ausübte.

In dieser Epoche Zeit hat sich der ursprüngliche Turn - und Kraftsportverein zu einem Verein mit großer Breitensportarbeit in den Abteilungen

Ringen

Sportakrobatik

Gymnastik und Turnen

Tichtennis

Faustball

Volleyball

Gewichtheben

Frauengymnastik

Spielen und Raufen

entwickelt.

Eine intensive Trainingsarbeit durch den langjährigen Jugend- und Seniorentrainer Siegfried Kaußen machte es der Ringer-Abteilung möglich, Ende der 70er- und zu Beginn der 80er Jahre eine zweite Mannschaft in den Wettkampf zu schicken.

1980 wurde Franz-Josef Basner in Haßloch Deutscher Vizemeister bei den Junioren. Im gleichen Jahr wurde die B-Jugend des TKV zum ersten Mal Rheinbezirksmeister.

Ein Jahr später konnte die B-Jugend unter Leitung von Siegfried Kaußen und Hubert Kessel den Titel des Rheinbezirkmeisters erfolgreich verteidigen. Am gleichen Tag konnte der TKV einen weiteren Erfolg feiern. Franz-Josef Basner wurde in Schifferstadt Deutscher Vizemeister bei den Senioren in freien Stil.

Im Verein wird neben der sportlichen Aktivität auch der Gemeinschaftssinn großgeschrieben, welches sich auch bei der Ausrichtung von Meisterschaften und der damit verbundenen Arbeit ganz besonders zeigt. 1982 wurde die Deutsche Meisterschaft der Sportakrobatik nach Oberforstbach vergeben. Die Gremien waren hinterher voll des Lobes über den Ablauf dieser Veranstaltung

Im Jahr danach war der TKV Ausrichter der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der A-Jugend. Eine gelungene Veranstaltung und wieder waren alle Offiziellen begeistert.

Gleich drei B-Jugendliche, Alwin Barth, Rainer Basner und Michael Sonnenberg konnten sich 1984 für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren. Mit einem 4. und einem 6. Platz kehrten sie aus Obernburg zurück.

Die B-Jugend erreichte 1984 auch den Titel des Mannschaftslandesmeister. Ein Erfolg, den man den Trainern Jakob Ganser und Hubert Kessel zuschreiben muss. Die Teilnahme bei der Deutschen Meisterschaft in Schifferstadt war dann vom Pech verfolgt, als man gleich zu Beginn auf die späteren Platzierten traf und keine Chance hatte.

Nachdem 1987 wieder der Aufstieg in die Oberliga gelang, übernahm 1989 Mehmet Yalcin für ein Jahr das Seniorentraining.

1988 war wieder einmal das Jahr der Jugend. Die A- Jugendmannschaft des TKV wurde Landesmeister. Im gleichen Jahr fand in Oberforstbach ein Ländervergleichskampf der A-Jugend zwischen einer Auswahl Nordenglischer Grafschaften (Lancashire & Yorkshire) und einer NRW-Auswahl statt. In der NRW-Auswahl waren gleich vier Ringer vom TKV vertreten. (Alwin Barth, Rainer Basner, Markus Komuth und Michael Sonnenberg)

Aus Aldenhoven kamen 1991 gleich drei Ringer zum TKV. Diese konnte Kalle Schäffer, der 1990 das Traineramt der Seniorenabteilung übernommen hatte, gut integrieren. So waren die drei Aydemir-Brüder wesentliche Stützen der ersten und zweiten Mannschaft.

Als erste Ringerin des Vereins wurde Sandra Schudoma 1992 Landesmeisterin der weiblichen Schüler. Neben weiteren Erfolgen auf Landesebene belegte sie 1995 bei den Deutschen Meisterschaften der weiblichen Schüler in Freiburg den 5. Platz.

Der zweiten Mannschaft gelang 1993 der Aufstieg in die Landesliga, aus der man sich ein Jahr später leider wieder verabschieden musste. Der TKV war im gleichen Jahr wieder Ausrichter einer Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der C/D Jugend.

Bei den Sportakrobaten gab es in dieser Zeit ebenfalls sehr schöne Titel zu feiern. Nachdem Ingo Mehlkopf 1986 den Titel des Deutschen Vizemeisters in der Jugend erturnte, wurde er 1992 Deutscher Meister bei den Senioren. Bei den Ringern kam mit Klaus Elsner 1994 der vierte Aldenhovener zum TKV. Er übernahm gemeinsam mit Hermann-Josef Knorr die Trainerarbeit bei den Senioren. Durch intensive Jugendarbeit konnte der Verein wieder achtbare Erfolge verbuchen.

Andreas Hunds, 1994 noch fünfter bei den Deutschen Meisterschaften der C-Jugend, belegte 1995 in Rheydt den 3. Platz. Bei den Deutschen Freistilmeisterschaften der B-Jugend in Kirrlach verpasste Alexander Schmidt nur knapp das Siegertreppchen und kam mit einem hervorragenden 4. Platz nach Oberforstbach zurück. Bei den Senioren belegte Klaus Elsner den 3. Platz bei den Deutschen Polizeimeisterschaften.

1996 war der TKV dann Ausrichter der Deutschen Meisterschaften der B-Jungend im gr.-röm Stil. Auf dieser Meisterschaft wurde Andreas Hunds 5. Deutscher Meister. Höhepunkt 1996 war sicherlich das 100-jährige Vereinsjubiläum. Dieses wurde über mehrere Tage im eigenen Festzelt mit hochrangigen Gästen gefeiert. So übernahm der seinerzeitige Präsident des Deutschen Fußballbundes, Egidius Braun, persönlich die Schirmherrschaft und reihte sich in die Zahl der Redner ein.

1997 wurde Andreas Hunds in beiden Stilarten Landesmeister der A-Jugend. Sandra Schudoma wurde auf den Deutschen Meisterschaften der weiblichen Jugend hervorragende 3. Im selben Jahr verstärkte Terenzio Ruiu, einstiger Deutscher Meister der Senioren, unsere erste Mannschaft. Aber auch er konnte mit seinen Einzelsiegen die Mannschaftsniederlagen in den hitzig geführten Lokalduellen gegen die erste Vertretung aus Walheim nicht verhindern.

1998 war es wiederum Sandra Schudoma die bei den Deutschen Meisterschaften mit Bronze einen Podestplatz erringen konnte.

Ausrichter der Landesmeisterschaften der A-B-C Jugend war der TKV im Jahr 1999. Auf dieser Meisterschaft wurde Andreas Hunds A Jugend Meister. Achmed Damani konnte sich den Titel bei den Senioren sichern. Andreas wurde auch noch Vize-Meister bei den Deutschen Meisterschaften der A-Jugend. Antoinie Waauff verstärkte in diesem Jahr unsere erste Mannschaft, die in der Oberliga einen guten 5. Platz belegte.

Auch im Millenium war Andreas Hunds sehr erfolgreich. Er wurde Landesmeister bei den Senioren und auf der Junioren Deutschen Meisterschaft belegte der den 4. Platz. Auch in diesem Jahr bildeten die Lokalderbies mit Eintracht Walheim den Saison-Höhepunkt. Leider gab es bei den sehr gut besuchten Kampfabenden - auch mit unserer Neuverpflichtung Thomas Meyer – wieder deutliche Niederlagen.

Neben den sportlichen Aktivitäten unternahmen die Ringer vom TKV 2001 einen bemerkenswerten „Ausflug“ in die Fernsehwelt. Im Rampenlicht vom SAT1 bei „Die Show der Besten“ wies das Team um Urs Maas, Achmed Damini, Andreas Hunds, Alexander Schmidt, Jean Philip Tessier und Markus Komuth die Konkurrenz eindrucksvoll in die Schranken und holte sich den viel umjubelten Sieg. Als Prämie winkten fünf Nächte im Steigenberger Hotel in Bad Reichenhall für die ganze Mannschaft mit samt Taschengeld. So wurde diese Mannschaftsfahrt sowohl für alle Teilnehmer als auch für die Gastgeber vor Ort zu einem bis heute unvergessenen Erlebnis.

Die Sportakrobaten wurden in diesem Jahr mit der Mannschaft Landesmeister, während die Ringer in dieser Saison die Oberliga mit dem 6. Platz anschlossen.

2002 war es dann endlich soweit: der erste Spatenstich für die Erweiterung der Turnhalle wurde gesetzt. Er markierte den Startschuss für die Errichtung des Sauna- und Kraftraums. Dieser wurden in völliger Eigenleistung durch freiwillige Helfer gebaut. Besonders hervorzuheben ist hier Karl Basner, der die Bauleitung übernahm.

Die Arbeiten wurden 2003 fertiggestellt. Bei einer großen Einweihungsfete wurden die neuen Einrichtungen dann Vereinsmitgliedern, Sponsoren und Vertretern der Politik vorgestellt. Trotz der verbesserten Trainingsmöglichkeiten wurde die erste Mannschaft in der Oberliga in diesem Jahr nur 7.

Das darauf folgende Jahr war dann leider das vorübergehend letzte Jahr in der Oberliga. Notgedrungen entschied der Vorstand, freiwillig aus der Liga abzusteigen, um einen Neuanfang in der Bezirksliga zu starten. In der Bezirksliga wurden die völlig neu strukturierte junge Mannschaft dann sofort Meister und schaffte den Aufstieg in die Landesliga.

Bei der Jahreshauptversammlung 2006 traten dann Albert Lennertz und Bernhard Komuth nach jahrzehntelanger erfolgreicher Vorstandsarbeit nicht mehr zur Wahl an. Albert Lennertz legte sein Amt nach fast 30 Jahren als Vorsitzender nieder während Bernhard Komuth das Amt des Kassierers 46 Jahre innehatte. Folgerichtig wurde Bernhard Komuth durch die Versammlung zum Ehrenmitglied ernannt. Selbige Ehre sollte auch Albert Lennertz zu Teil werden. Jedoch lehnte dieser den Antrag ab. Hermann Josef Knorr wurde als neuer 1. Vorsitzender gewählt und Thomas Zimmermann übernahm die finanziellen Geschicke. Auch sportlich konnte der TKV den Aufwärtstrend fortsetzen, indem der Aufstieg von der Landesliga in die Verbandsliga gefeiert werden konnte.

2007 war der TKV erneut Ausrichter der Deutschen Meisterschaften der Sportakrobaten. Ruth Baumann und Pia Schumacher erturnten auf dieser Meisterschaft einen hervorragenden 4. Platz. Auch die Ringer waren erfolgreich und wurden in der Verbandsliga Vizemeister.

An die Aufstiegsplätze konnte 2008 hingegen nicht geklopft werden. So musste man in der Abstiegsrunde sogar um den Klassenerhalt kämpfen, was aber frühzeitig gelang. Ende der Saison legte Trainer Marco Book, nach erfolgreichen Jahren sein Amt nieder. Bei der Suche nach einem Nachfolger konnte der TKV einen namhaften Hochkaräter gewinnen: seit Anfang 2009 leitet mit Arnold Waauff ein internationaler Experte die sportlichen Geschicke der Ringerabteilung. Mit seinem einzigartigen Training legte Arnold den Grundstein für die Erreichung des ersehnten Ziels: 2011 wurde der Wiederaufstieg in die Oberliga gefeiert.

Um den hohen sportlichen Anforderungen der Liga standhalten zu können, entschloss die Vereinsführung, zusammen mit dem RV Raeren eine Kampfgemeinschaft aufzubieten. Diese Entscheidung wurde durch die hervorragenden Platzierungen (2012: 6/ 2013: 3. /2014: 6.) mehr als bestätigt. 2015 wurde das Ringergemeinschaftsmodell mit Sparta Kelmis weitergeführt, was dem Erfolg mit dem dritten Platz keinen Abbruch tat. Ende 2015 verkündete der erste Vorsitzende, Hermann-Josef Knorr, sein Amt aus persönlichen Gründen zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen der Suche nach Nachfolgealternativen entschied man sich, über eine Satzungsänderung einen erweiterten Vorstand zu installieren, um zum einen die Aufgaben auf zusätzliche Schultern verteilen zu können und zum anderen die Integration einer „neuen“ Generation in das bewährte Gefüge anzustoßen. Im diesem Zuge wurden Markus Komuth als erster Vorsitzender und Elmar Karlowitsch als stellvertretender erster Vorsitzender gewählt. Gemeinsam mit dem bewährten Team, den ehrenamtlichen Helfern und den Sponsoren soll nun die langjährige, erfolgreiche Geschichte des TKV Oberforstbach fortgesetzt werden.

 

(6/2018)